
Hiroo Mochizuki wurde am 21. März 1936 in Japan als Sohn von Minorou Mochizuki geboren. Der Vater, einer der größten Kampfsportexperten unserer Zeit, praktizierte neben Aikido (10. Dan, einer der höchstgraduierten Aikidoka und Assistent des Gründers Morihei Ueshiba) auch Judo, Iai-Do, Kendo und andere traditionelle japanische Kampfkünste. Aufgewachsen in einer Samurai-Familie, also in einer Atmosphäre des "Budo", war Hiroos Entwicklung geradezu vorherbestimmt. Als Hiroo drei Jahre alt war, zog die Familie Mochizuki nach China und ließ sich in der Nähe der mongolischen Grenze nieder. In China machte Hiroo seine ersten Schritte in Sachen Kampfkunst, natürlich unter der Aufsicht seines Vaters. Er lebte und übte im Freien, direkt im Einklang mit der Natur. Die Eindrücke dieser Zeit, der Einfluß seines Vaters, prägten Hiroo und bestimmten sein weiteres Leben.
Nach acht Jahren kehrte die Familie Mochizuki nach Japan zurück. Dort ging der junge Hiroo unbeirrt weiter auf dem Weg des Kämpfers. Nach Kendo-Training begann er mit dem Studium des Judo und als Sechzehnjähriger mit dem Shotokan-Karate. Mochizuki wurde von verschiedenen Meistern trainiert, wie z.B. Hyogo Shotokan (Karate), Meister Ueshiba (Aikido-Begründer), Meister Kushida (japanischer Boxchampion) und anderen.

Nach der Schulzeit schrieb sich Hiroo als Student an der Fakultät für Veterinärmedizin in Tokyo ein. Abends nach den Vorlesungen trainierte er Judo und Karate. Und so blieb ihm nur noch die Nacht zum Studieren seiner Fachbücher. Nach dem 6. Semester entschied sich Hiroo zu einem Europa-Urlaub. Im Juni 1957 flog er in Richtung Marseille. Statt Urlaub zu machen, gab Hiroo aber Karateunterricht. Wenige Zeit später begegnete er bei einem Lehrgang Henri Plüe, einem Franzosen, der sich die japanische Kampfkunst zum Lebensinhalt gemacht hatte. Plüe lud Mochizuki darauf-hin nach Paris ein, wo er damals im Dojo an der "Rue de la Montagne Sainte Genvieve" unterrichtete. Damit begann der unaufhaltsame Siegeszug des Karate in Europa, und aus dem geplanten Urlaub wurden 10 Jahre harte Unterrichtsarbeit. Während seines Aufenthalts in Frankreich forschte Hiroo unermüdlich weiter in Sachen Kampfkunst. Er war wohl der einzige japanische Meister, der es wagte, sich mit den französischen Boxern zu messen. Von ihrer Effizienz beeindruckt, studierte Mochizuki längere Zeit diese Kampfkunst bei Maätre Hameau.

Im Januar 1959 kehrte Mochizuki nach Japan zurück, um sein unterbrochenes Veterinärstudium fortzusetzen. Durch Zufall entdeckte er in dieser Zeit das Wado-Ryu-Karate und war sofort von diesem Kara-testil, der Beweglichkeit und Nachgeben beinhaltet, begeistert, so daß er unter Shinji Michihara diesen Stil lernte. In der Zwischenzeit bestand er seine Prüfung und machte sein Diplom als Tierarzt. Er plante eigentlich in Südamerika eine Farm zu führen und Tierzucht zu betreiben, erlag dann aber dem Lockruf Europas. So packte er 1963 wieder seine Koffer und verließ Tokyo in Richtung Paris. In Paris lernte er Jaques Delcourt kennen. Mit ihm gründete er den ersten Europäischen Karateverband, die EKU. Delcourt wurde Präsident, Mochizuki technischer Leiter. Inzwischen unterrichtete er in Paris gleichzeitig Judo, Karate und Aikido. Aus dieser Schule gingen mehrere Karate-Weltmeister hervor. Trotzdem war Hiroo mit sich und seiner Arbeit nie ganz zufrieden, wollte er doch seinen Schülern eine umfassende Ausbildung gewähren. Aufgrund seines Könnens und seiner Erfahrung hatte er in der Folge das Yoseikan-Budo, kurz Yoseikan, durch Synthese der einzelnen Kampfkünsten entwickelt. Dies war in den Siebziger Jahren die Geburtsstunde des Yoseikan. Das Yoseikan ist somit durch das Zusammenwirken der verschiedenen Kampfkünste ein vollständiges System. Es beinhaltet beispielsweise Wurftechniken wie im Judo, Faust- und Fussschläge wie im Karate, Schwerttechniken wie im Kendo, Hebel- und Blockiergriffe wie im Jiu-Jitsu und andere Selbstverteidigungstechniken wie im Aikido. Trotzdem ist Yoseikan-Budo als eigene Kampfsport und nicht als Mischung einzelner Kampfsportarten zu verstehen.
Meister Hiroo Mochizuki im Besitz des 8. Dan Aikido, 8. Dan Jiu-Jitsu, 7. Dan Karate, 7. Dan Iai-Do und 3. Dan Judo.